Pressestimmen MÖWE/RETWEETED 2023; Theater Kosmos Bregenz

Trübsinn, Schwermut, Langeweile, die ewige Sinnsuche und dazwischen immer wieder vielschichtige Dialoge über die Liebe, deren Verstrickungen und einem steten Hang zur Verzweiflung daran – so kennt man die Figuren Tschechows. Der Dramatiker selbst bezeichnete seine Werke durchwegs als Komödien, und sogar seine „Möwe“ wollte er als solche verstanden wissen. Die Adaption seines Stückes durch Sina Heiss hätte ihm demnach gefallen. Schafft sie es doch mit einem Stoff, der ohne Untertreibung doch recht arm an Handlung und dramatischen Wendungen ist, das Publikum über zwei Stunden bei Laune zu halten und streckenweise sehr zu amüsieren.
— Manuela Cibulka; Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft

Pressestimmen DIE ÜBERFLÜSSIGEN 2022, Theater TAG Wien

“Als im herabsinkenden Licht bereits die ersten Bravo-Rufe zu hören sind, ist klar: Mit ‚Die Überflüssigen‘ hat das TAG erneut einen zu erwartenden Publikumshit aufzuweisen. Sina Heiss – Text und Regie – gelingt eine bestechend heutige Überschreibung von Anton Tschechows 1887 entstandenen Tragikomödie ‚Iwanow‘. (…) Wo sich bei Tschechow die existenzielle Leere in Phrasen statt Taten manifestiert, lässt Heiss die Handlung in eingängigen Choreografien weitertreiben – oder eben nicht: Statt rhetorischer Hülsen gibt es Soundloops, die sich bis zu tinnitusartigen Tonfetzen reduzieren, statt dialogischer Entäußerungen zeitgenössische Choreografien zu Barockmusik, und selbst das Bühnenbild ist Teil dieses traurigen Tanzes Richtung Abgrund, an dessen Rand sich eine matt gewordene Krisen-Phalanx zum großen Finale einfindet.”

Wiener Zeitung

“Sina Heiss gelingt im TAG eine treffsichere Überschreibung von Tschechows Paradestück der Weltmüdigkeit in die Gegenwart. (…) Das Regieteam und ein sprachlich, mimisch sowie tänzerisch (Katharina Senk) exzellentes Ensemble halten dem Publikum mit raffinierten Einfällen den Spiegel vor: Auch uns meint Tschechow. Bei ihm wird das Abendrot des Zarenreichs verdrängt. Heute fehlt uns ebenfalls der Mut, etwas gegen dräuende globale Probleme zu tun. Lieber schaut man einfach weg und pflegt seinen Ennui.”

Die Presse

“Im Wiener Theater an der Gumpendorfer Straße überschreibt Sina Heiss Tschechow. Ihr Stück über Corona und Kapitalismus hat starke Momente. (…) Sie hantelt sich an den Motiven und Figuren der Originalhandlung entlang und reichert diese um zeitgenössische Themen an. (…) Insgesamt schnurren die eindreiviertel Stunden zwischen weißen Schnürlvorhängen aber stimmungsvoll ab. Heiss arbeitet immer wieder mit der Adaption klassischer Stoffe und Einflüssen aus dem Tanztheater. Dieser Ansatz sorgt für zarte, lyrische Momente. (…) Ein stets gut gemeinter, vielfach aber tatsächlich guter Abend.”

Der Standard

“Regisseurin Sina Heiss zeigte das Stückpersonal als ‚Die Überflüssigen‘ – sie leben in einer Überflussgesellschaft. Ihre Schein-Probleme wirken ziemlich überflüssig. Kommt einem alles sehr bekannt vor! (…) Tatsächlich ist die Transponierung einer dem Untergang geweihten feudalistischen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts in unsere selbstzufriedene, die Zukunftsprobleme schlicht ignorierende Endzeit gelungen. (…) „Die Überflüssigen“ sind kein reines Konversationsstück. Sina Heiss (…) setzt in ihrem Soundtrack auf klassische Musik vom Plattenspieler, die immer bearbeitet wird (Musik: Philipp Kienberger). Störgeräusche und Interferenzen legen sich darüber und irritieren die Menschen: Liegt Spannung in der Luft oder kündigt sich ein Tinnitus an? Für die entsprechenden körperlichen Irritationen hat sich Heiss die Choreografin Katharina Senk an ihre Seite geholt. Zwischen Aussetzern und Auszuckern bis zu echten Tanztheater-Sequenzen reicht das dabei erarbeitete Bewegungsrepertoire, das sich gut in eine Inszenierung einfügt, die im Stillstand erstaunlich viel Abwechslung bietet.”

Volksblatt

“Das Leben fühlt sich an wie eine kaputte Schallplatte, lautet das Motto in Sound, Requisiten und Figurengestaltung von Sina Heiss` ‚Die Überflüssigen‘. Dass die Autorin und Regisseurin Anton Tschechows (…) Tragikomödie ‚Iwanow‘ über einen Mann, der nichts mehr spürt, ins Bobo-Wien des Corona-Jahres 2020 verlegt, ermöglicht einiges an Bühnenbildballett (…) Das tänzerisch-feine Zusammenspiel der agierenden Körper beweist Mut zur Emotionalität, ja zur Erotik (...)”

Falter

Pressestimmen #SCHALLDICHT 2021; Theater Phönix Linz

Lieber Mut zur realen Welt als der digitalen ins Netz gehen

Theaterfestival Schäxpir: „#schalldicht“ von Sina Heiss als Uraufführung für alle ab 13 Jahren im Linzer Theater Phönix
300.000 Followers zählt „Starfluencerin“ Thea. Im privaten Tonstudio (Bühne: Gerald Koppensteiner) soll ihr neuer Werbespot für „Starconnect - immer und überall“ aufgenommen werden. Doch dann passiert das Unsägliche: ein Funkloch. Mit ihrem Stück “#schalldicht“ spürt Sina Heiss, Jahrgang 1981, der Versuchung, der digitalen Welt ins Netz zu gehen und den Ängsten und Nöten junger Menschen nach. Mit originellem Konzept: Auch das Publikum ist „schalldicht“ mit Kopfhörern bestückt. Es kann zwischen zwei Kanälen switchen und selbst entscheiden, wem auf der Bühne es gerade zuhören, welchem Handlungsstrang es folgen will. Thea und ihrer Überforderung, ihrem Leiden unter digital geschürtem Erfolgs- und Erwartungsdruck. Oder Ella und Finn, einem Pärchen das noch nicht wirklich eines ist, aber vielleicht werden könnte. Fest steht: „Gefühle sind komplizierter als Mathe.“ Daran hat auch das Internet nichts geändert. Es hat nur manches vielleicht noch ein bisschen komplizierter gemacht. Die erzwungene digitale Abstinenz befeuert das Gedankenkarussell und zwingt das Quartett mitten hinein in die reale zwischenmenschliche Begegnung von vier unterschiedlichen Charakteren in stimmigem Outfit von A. Daphne Katzinger: Kerstin Jost gibt die nach außen hin überdrehte Thea, Sofia Falzberger die kluge Ella, Alduin Gazquez den nachdenklichen Finn und Adrian Stowasser den sich cool gebärdenden Tontechniker Mats. Ein vor Spiellust strotzendes Ensemble.
Feinfühlig lotet Sina Heiss die Gefühlswelten junger Menschen aus, in denen private Liebesnöte auf die globalen Probleme der Gesellschaft prallen, nicht nur den Klimawandel. Was ist das für ein System, dessen Teil man werden will oder soll? Aus dem man „fallen könnte wie ein Tropfen“, sinniert Finn, begleitet vom Geräusch schwer fallender Regentropfen. Das Funkloch ist einem Gewitter geschuldet.
Die akustische und musikalische Ebene nimmt einen großen Stellenwert in der Inszenierung ein, in der auch gesungen und formidabel ge­tanzt wird und Ernst und Humor ei­nander die Waage halten. Am Ende steht die Ermutigung, sich auf die reale Welt einzulassen, auch wenn es keine einfache ist. Aber eine loh­nenswerte. Langer, kräftiger Ap­plaus.
Fazit: Ein brisantes Thema, originell und stimmig umgesetzt.

Karin Schütze, OÖNachrichten, 19.06.2021

Auf der Suche nach Leben

Brillantes Jugendstück „#Schalldicht“ im Phönix
Plötzlich kein Internet! Das macht eine Influencerin und ihre Freunde ganz hektisch. Doch dann haben sie auf einmal Zeit für Gefühle. Im Rahmen des Schäxpir-Festivals wurde das Jugendstück „#Schalldicht“ von Sina Heiss im Theater Phönix heftig beklatscht!
Influencerin Thea, Tontechniker Mats und das Pärchen Ella und Finn suchen hektisch nach Empfang. Doch das Internet ist weg. Dafür haben sie Zeit, sich mit ihrem Leben, mit dem Meer, dem Klimawandel und ihren geheimen Wünschen zu beschäftigen.
Regisseurin Sina Heiss geht in ihrem wunderbaren Stück „#Schalldicht“ zwei Wege: Sie stellt grandioses Schauspiel auf die Bühne – und über Kopfhörer, die an jedem Theatersitz hängen, kann man noch tiefer in die Figuren hineinhören.
Kerstin Jost stellt eine quirlige Influencerin, die nach Erfolg und Echtheit sucht, auf die Bühne. Adrian Stowasser bremst sie als Tontechniker, weil ihm Updates fehlen. Für Alduin Gazquez als liebeshungrigem Finn hat er kein Ohr, er interessiert sich mehr für Sofia Falzberger in der Rolle eines weiblichen Einsteins. Super Stück, super Hörerlebnis!

Elisabeth Rathenböck, Kronen Zeitung Oberösterreich, 19.06.2021

Sie suchen Verbindung

Schäxpir: Sina Heiss „#schalldicht“ im Linzer Theater Phönix
Starconnect! Werde „Starfluencer“! Glaubt Thea den Mist, den sie ins Mikro trällert? Natürlich nicht. „Aber sie zahlen gut:“ Leider hat Tontechniker Mats die Aufnahme vermasselt, aber egal. Mats plaudert mit seinen Freunden Ella und Finn. Der Besucher kann jetzt die eh simple Technik an den Sitzen ausprobieren. Kopfhörer und ein Kipphebel zum Wechseln zwischen zwei Kanälen. Auf dem einen Thea, wie sie in ihrer Tonkabine flucht. Auf dem anderen Mats, Ella und Finn. Wem zuhören? Und, ganz schlimm, was versäumt man auf dem anderen Kanal?
Mit dem technischen Gimmick fängt Sina Heiss Zeitgemäßes ein. Die „Blasen“, jene strikt abgegrenzten Meinungen im Internet, und die Verheißungen des digitalen Marktes: alles zugleich und jetzt sofort. Störrisch nur organisches Leben, das an verfließender Zeit festhält. Heiss, Autorin und Regisseurin des 70-minütigen Stücks „#schalldicht“, bettet junge Leute in Digitalem ein, aber ihre Fragen wie seit jeher: Wohin geht die Reise? „#schalldicht“ nähert sich dem Thema mit erfrischender Natürlichkeit, Resultat auch der gemeinsamen Arbeit von Regisseurin und Schauspielern. Uraufführung war am Donnerstag bei Schäxpir im Linzer Theater Phönix. Knackpunkt der Handlung ein Unwetter, das das Quartett im Tonstudio einschließt. Dann bricht der Funkverkehr ab. Ein gespenstisch-grotesker Tanz, in dem die vier ihre Handys hochhalten und nach einem Signal suchen. „Connected“ sein das Thema, der stille Finn (Alduin Gazquez) würde gern wo dazu gehören. Er fühlt sich wie die Tropfen draußen: Fallen, irgendwohin. Die schlaue Ella (Sofia Falzberger) geht auf Klimademos, kennt sich leider bei der Liebe gar nicht aus. Wenigstens damit ist sie nicht allein. Adrian Stowasser als Mats ein technikaffiner Sprücheklopfer, der die traurige Ballade vom Leben am Meer singt. Romantisches Aussteigertum? Kerstin Jost als Thea bläht sich zum „Star“ und hat eine tolle Singstimme. Traurigkeit lauert, 300.000 Followers, aber keine Freunde. Knackige Tanzeinlagen, Theater nah am realen jungen Leben. Die vier raufen, quatschen sich zusammen. Jubel im Phönix, noch heute (11 und 19.30 Uhr) und morgen (17). Wiederaufnahme ab 2. November.

Christian Pichler, Oberösterreichisches Volksblatt, 19.06.2021

Provinziella

Autorin Julia Benkert porträtiert in ihrem staunenswerten 45-minütigen Fernsehbeitrag unter anderem auch das bemerkenswert weibliche Gesangstrio "Vaginas im Dirndl". Die drei professionellen Musikerinnen, denn das sind die Frauen ja auch, abgesehen vom jeweiligen Dasein als Vaginas und Dirndlinnen, tingeln durch das Alpenland und betreiben mit Hilfe der Volksmusik musikalisch überzeugend "Aufklärung für Erwachsene". Weshalb sie auch im Dirndl gern von batterieschwachen Dildos oder vom Elend der Schamhaarrasur singen.

Am schönsten ist übrigens die Szene, in der die Vaginas in Bad Leonfelden auf alteingesessene und also krachledern männliche Gstanzlsänger treffen. Es kommt zum Spottgesang-Battle, den die Damen ungefähr 13:1 für sich entscheiden. Musikalisch sind die Vaginas den vaginalosen Männern, die als "Bullen" beschrieben werden, sich aber eher kälbern anhören, jedenfalls deutlich überlegen.

Gerhard Matzig über die BR-Doku “Bitches und Elfen” von Julia Benkert, 5.11.2018, Süddeutsche Zeitung
featuring “Vaginas im Dirndl” von Sina Heiss, Ursula Anna Baumagrtner und Anna Anderluh